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DSGVO & Recht

Leichte Sprache auf der Website: Pflicht oder Kür?

Inhalt dieses Artikels
  1. Leichte Sprache vs. Einfache Sprache: Der Unterschied
  2. Was das BFSG und WCAG zu Leichter Sprache sagen
  3. Wann sich Leichte Sprache trotzdem lohnt
  4. So fängst Du pragmatisch an
  5. Technik: Worauf Du beim Einbau achten solltest
  6. Typische Fehler bei verständlichen Texten
  7. Häufige Fragen
  8. Fazit

Für die meisten privatwirtschaftlichen Websites ist Leichte Sprache keine gesetzliche Pflicht: Das BFSG verlangt barrierefreie Websites nach dem Standard WCAG 2.1 Stufe AA, aber keine komplette Übersetzung Deiner Inhalte in Leichte Sprache. Trotzdem lohnt sich ein Blick darauf, denn verständliche Texte helfen Deinen Besuchern und Deinem Geschäft.

Der Begriff wird oft verwechselt. Leichte Sprache, Einfache Sprache und “gut geschriebener Text” sind drei verschiedene Dinge. In diesem Artikel erfährst Du aus Agentursicht, was wirklich verlangt wird, wo Leichte Sprache sinnvoll ist und wie Du pragmatisch anfängst, ohne Deine ganze Website neu zu schreiben.

Hinweis: Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick und ist keine Rechtsberatung.

Leichte Sprache vs. Einfache Sprache: Der Unterschied

Leichte Sprache ist ein streng geregeltes Regelwerk, Einfache Sprache ist eine lockere Stilrichtung. Beides soll Texte verständlicher machen, aber für unterschiedliche Zielgruppen und mit unterschiedlichem Aufwand.

Leichte SpracheEinfache Sprache
ZielgruppeMenschen mit Lernschwierigkeiten oder geringen LesekenntnissenBreite Leserschaft, auch Menschen mit Deutsch als Zweitsprache
RegelnFestes Regelwerk, z. B. sehr kurze Sätze, ein Gedanke pro Satz, keine FremdwörterOrientierung an Faustregeln, kein starres Regelwerk
AussehenSehr reduziert, oft mit Bildern und Zeilenumbrüchen nach SinnabschnittenWirkt wie normaler Fließtext
PrüfungÜblicherweise durch Prüfgruppen aus der ZielgruppeRedaktionelle Prüfung
AufwandHoch, meist ein eigener TextbestandModerat, lässt sich in bestehende Seiten einarbeiten

Für eine Firmenwebsite ist Einfache Sprache fast immer der realistischere Weg. Leichte Sprache brauchst Du dann, wenn Du gezielt Menschen mit Lernschwierigkeiten ansprechen willst, zum Beispiel als Einrichtung, Verein oder soziales Unternehmen.

Was das BFSG und WCAG zu Leichter Sprache sagen

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) gilt seit dem 28. Juni 2025 für bestimmte Produkte und Dienstleistungen, zum Beispiel Online-Shops für Verbraucher. Es verweist technisch auf die europäische Norm EN 301 549, und die orientiert sich bei Websites an den WCAG 2.1 auf Stufe AA. Wer genau betroffen ist, erklären wir in unserem Artikel zur Barrierefreien Website Pflicht nach BFSG.

Wichtig für das Thema Sprache:

  • Verständlichkeit ist trotzdem Teil der WCAG. Die Sprache der Seite muss technisch korrekt ausgezeichnet sein (lang-Attribut), Fehlermeldungen in Formularen müssen verständlich sein, Beschriftungen und Anleitungen eindeutig.
  • Das Leseniveau-Kriterium liegt auf Stufe AAA. Die WCAG empfehlen dort, ergänzende Inhalte anzubieten, wenn ein Text über ein bestimmtes Leseniveau hinausgeht. Stufe AAA ist aber nicht das, worauf sich die gesetzliche Anforderung für den Normalfall bezieht.
  • Eine Pflicht zur Übersetzung in Leichte Sprache ergibt sich daraus nicht. Das BFSG verlangt zudem bei Dienstleistungen verständliche Informationen, aber keine Leichte-Sprache-Version Deiner gesamten Website.

Anders sieht es bei öffentlichen Stellen aus: Für Bundesbehörden verlangt die BITV 2.0 zusätzlich Informationen in Leichter Sprache und in Deutscher Gebärdensprache, etwa zu Inhalt, Navigation und Erklärung zur Barrierefreiheit. Wenn Du für eine Behörde arbeitest, gelten also strengere Regeln als für ein Handwerksunternehmen. Prüf Deinen konkreten Fall im Zweifel mit einer Rechtsberatung.

Wann sich Leichte Sprache trotzdem lohnt

Auch ohne Pflicht gibt es gute Gründe, Teile Deiner Website verständlicher zu machen:

  • Du sprichst Menschen mit Lernschwierigkeiten an. Einrichtungen, Pflegedienste, Vereine oder Beratungsstellen erreichen damit ihre eigentliche Zielgruppe.
  • Du erklärst wichtige Abläufe. Anmeldung, Terminbuchung, Bestellung oder Kündigung gehören zu den Stellen, an denen Verständnisprobleme direkt Anfragen kosten.
  • Du hast viele Besucher mit Deutsch als Zweitsprache. Hier hilft oft Einfache Sprache mehr als eine strenge Leichte-Sprache-Fassung.
  • Du willst Absprünge senken. Komplizierte Texte kosten Aufmerksamkeit. Das gilt für alle Besucher, nicht nur für Menschen mit Einschränkungen.

Lass Dir nicht einreden, dass ein Overlay oder ein Plugin das Problem löst. Verständliche Sprache entsteht beim Schreiben, nicht durch ein Script.

So fängst Du pragmatisch an

Du musst nicht alles auf einmal umbauen. Dieses Vorgehen hat sich bei kleinen und mittleren Websites bewährt:

  1. Wichtigste Seiten auswählen. Startseite, Kontakt, Leistungsübersicht, Ablauf einer Anfrage oder Bestellung.
  2. Texte kürzen und entflechten. Ein Gedanke pro Satz, aktive statt passive Formulierungen, Fachbegriffe erklären oder weglassen.
  3. Struktur sauber aufbauen. Aussagekräftige Überschriften, Absätze mit klarem Thema, Listen statt Schachtelsätzen.
  4. Formulare prüfen. Beschriftungen, Pflichtfelder und Fehlermeldungen müssen ohne Vorwissen verständlich sein.
  5. Optional eine Leichte-Sprache-Seite anbieten. Eine Übersichtsseite “Das Wichtigste in Leichter Sprache” ist realistischer als eine komplette Zweitversion der Website.
  6. Mit echten Nutzern testen. Zeig die Texte Menschen aus der Zielgruppe, nicht nur Kollegen.

Bei diesen Schritten greifen Text, Design und Technik ineinander. Wenn Du Hilfe bei der Umsetzung willst, schau Dir unsere Leistung barrierefreie Website an. Wie Texte allgemein für Besucher und Suchmaschinen funktionieren, erklärt unser Beitrag zu Website-Texten schreiben lassen.

Technik: Worauf Du beim Einbau achten solltest

Leichte Sprache steht und fällt mit der Umsetzung auf der Website:

  • Sprachauszeichnung: Die Hauptsprache der Seite wird im HTML korrekt gesetzt. Wechselt eine Passage die Sprache, wird sie entsprechend ausgezeichnet.
  • Lesbare Typografie: Ausreichend große Schrift, gute Kontraste und großzügiger Zeilenabstand. Lange Zeilen vermeiden.
  • Bilder mit Funktion: Piktogramme oder Bilder sollen den Text unterstützen und brauchen sinnvolle Alternativtexte, wenn sie Inhalt tragen.
  • Eindeutige Navigation: Die Seite mit Leichter Sprache sollte von der Startseite aus leicht erreichbar sein, zum Beispiel über einen klar benannten Link in der Hauptnavigation oder im Footer.
  • Erklärung zur Barrierefreiheit: Wenn Du ohnehin barrierefrei arbeitest, gehört eine verständlich formulierte Barrierefreiheitserklärung dazu.

Wenn Deine bestehende Seite noch nicht barrierefrei ist, ist Website barrierefrei nachrüsten der richtige erste Schritt, bevor Du Texte überarbeitest.

Typische Fehler bei verständlichen Texten

In Website-Checks begegnen uns immer wieder dieselben Stolpersteine:

  • Nur das Wort “einfach” ersetzen. Wer Fachbegriffe tauscht, aber Schachtelsätze behält, ändert wenig. Entscheidend ist der Satzbau.
  • Alles auf einmal wollen. Eine komplette Zweitversion der Website ist aufwendig und veraltet schnell, wenn niemand sie pflegt. Besser wenige Seiten, die aktuell bleiben.
  • Bilder ohne Bezug. Dekorative Fotos helfen beim Verstehen nicht. Piktogramme und Bilder sollten genau das zeigen, was der Satz erklärt.
  • Keine Pflege nach dem Start. Ändern sich Preise, Öffnungszeiten oder Abläufe, muss auch die verständliche Fassung angepasst werden. Plane das beim Aufbau mit ein, etwa über eine feste Zuständigkeit.
  • Test nur im eigenen Team. Menschen, die Dein Angebot kennen, merken nicht mehr, wo es hakt. Hol Dir Rückmeldung von Außenstehenden.

Wer diese Fehler vermeidet, hat mit kleinem Aufwand schon viel gewonnen.

Häufige Fragen

Muss meine Firmenwebsite in Leichter Sprache sein?

Nein, für die meisten privaten Unternehmen gibt es keine Pflicht zu einer Version in Leichter Sprache. Das BFSG verlangt barrierefreie Websites nach dem technischen Standard, aber keine vollständige Übersetzung. Für Behörden gelten abweichende Regeln.

Reicht Einfache Sprache aus?

Für die meisten Unternehmenswebsites ja. Kurze Sätze, klare Struktur und erklärte Fachbegriffe verbessern Verständlichkeit deutlich, ohne dass Du das strenge Regelwerk der Leichten Sprache einhalten musst.

Kann ich Leichte Sprache mit KI-Tools erstellen?

Als Entwurf ja, als Endergebnis nicht. Leichte Sprache soll von Menschen aus der Zielgruppe geprüft werden, sonst weißt Du nicht, ob die Texte wirklich verstanden werden. Lass jeden Text redaktionell prüfen.

Was kostet eine Übersetzung in Leichte Sprache?

Das hängt stark von Umfang, Fachthema und Prüfung ab. Plane bei einer professionellen Übersetzung samt Prüfgruppe deutlich mehr als für normale Texte ein und lass Dir vorab ein Angebot mit klarem Umfang geben.

Fazit

Leichte Sprache ist für die meisten Unternehmen keine Pflicht, aber verständliche Texte sind ein günstiger Hebel für Reichweite und Anfragen. Fang mit den wichtigsten Seiten an und sprich mit Menschen aus Deiner Zielgruppe. Wenn Du Unterstützung bei Texten, Technik und Barrierefreiheit möchtest, melde Dich für ein unverbindliches Erstgespräch.

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