BFSG Umsetzung Kosten: Was Barrierefreiheit kostet
Inhalt dieses Artikels
- Erst klären: Bist Du überhaupt betroffen?
- Woraus sich die Kosten zusammensetzen
- Diese Faktoren treiben die Kosten nach oben
- Nachrüsten oder neu bauen?
- Drei typische Szenarien im Vergleich
- Warum Overlay-Tools keine Abkürzung sind
- Was ein Nichtstun kosten kann
- So planst Du das Budget in vier Schritten
- Häufige Fragen
- Fazit
Die Kosten für die BFSG-Umsetzung lassen sich nicht pauschal beziffern, weil sie vor allem vom Zustand Deiner Website, ihrem Umfang und davon abhängen, welche Funktionen unter das Gesetz fallen. Was sich aber sehr gut sagen lässt: aus welchen Posten sich der Preis zusammensetzt, was ihn treibt und wie Du verhinderst, dass aus einer Pflichtaufgabe ein Fass ohne Boden wird.
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) gilt seit dem 28. Juni 2025. Wenn Du Dich fragst, was auf Dich zukommt, helfen Dir kein Pauschalpreis aus dem Internet, sondern eine saubere Bestandsaufnahme und eine ehrliche Aufwandsschätzung. Genau dafür bekommst Du hier das Handwerkszeug. Ein Hinweis vorab: Das ist eine praxisnahe Einordnung aus Agentursicht und keine Rechtsberatung.
Erst klären: Bist Du überhaupt betroffen?
Bevor Du Geld einplanst, lohnt der Blick auf die Betroffenheit. Das BFSG erfasst bei Websites vor allem Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr für Verbraucher, also Online-Shops, Buchungs- und Bestellstrecken mit Vertragsabschluss. Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern und höchstens 2 Millionen Euro Jahresumsatz oder Bilanzsumme sind für Dienstleistungen ausgenommen. Eine reine Info-Website ohne Kauf- oder Buchungsfunktion ist in der Regel nicht direkt erfasst.
Die Details dazu findest Du in unserem Überblick zur Pflicht einer barrierefreien Website. Wichtig für die Kosten: Betroffen ist oft nur ein Teil der Seite, nämlich der Bereich, in dem Verträge geschlossen werden. Das kann den Umfang erheblich eingrenzen.
Woraus sich die Kosten zusammensetzen
Die Umsetzung besteht fast immer aus denselben vier Bausteinen. Jeder davon kann einzeln kalkuliert werden.
| Baustein | Was dahintersteckt | Aufwandstreiber |
|---|---|---|
| Audit | Prüfung gegen WCAG 2.1 AA, manuell und mit Werkzeugen | Anzahl der Seitentypen und Funktionen |
| Korrekturen | Kontraste, Alt-Texte, Formulare, Tastaturbedienung, Struktur | Qualität des vorhandenen Codes |
| Dokumentation | Informationen zur Barrierefreiheit, Barrierefreiheitserklärung | Umfang des Angebots |
| Pflege | Neue Inhalte und Updates barrierefrei halten | Häufigkeit von Änderungen |
Audit: die Bestandsaufnahme
Ein Audit prüft Deine Seite gegen die Anforderungen der WCAG 2.1 auf Stufe AA, auf die die europäische Norm EN 301 549 verweist. Automatische Tests finden nur einen Teil der Probleme, den Rest erkennt man erst bei manueller Prüfung, etwa mit reiner Tastaturbedienung und einem Screenreader. Der Aufwand hängt weniger von der Seitenzahl ab als von der Zahl verschiedener Seitentypen: Zehn Produktseiten mit identischem Template prüfst Du praktisch einmal.
Korrekturen: der eigentliche Hauptposten
Hier entscheidet der Ausgangszustand. Auf einer sauber gebauten Seite sind es gezielte Anpassungen. Bei einem veralteten Theme oder einem Baukasten, der den Code nicht freigibt, wird es teuer, weil sich Probleme dann nur mit Umwegen oder gar nicht beheben lassen.
Dokumentation und Erklärung
Betroffene Anbieter müssen transparent informieren, wie sie die Anforderungen erfüllen. In der Praxis läuft das auf eine Barrierefreiheitserklärung hinaus. Der Aufwand ist klein, aber er wird gern vergessen.
Pflege: der dauerhafte Posten
Barrierefreiheit ist kein einmaliger Stempel. Jeder neue Beitrag ohne Alt-Text, jedes Plugin-Update und jedes neue Formular kann Barrieren einführen. Wer das mit einem Wartungsvertrag und klaren Redaktionsregeln auffängt, spart sich spätere Großreparaturen.
Diese Faktoren treiben die Kosten nach oben
Aus unserer Projekterfahrung lassen sich ein paar wiederkehrende Kostentreiber benennen, ohne dass wir Dir damit eine Zahl versprechen:
- Der Checkout: Warenkorb, Zahlung und Formulare sind komplex und gleichzeitig rechtlich am relevantesten.
- Individuelle Funktionen: Konfiguratoren, Filter, Kalender und Karten brauchen oft Sonderarbeit.
- Veralteter Unterbau: Alte Themes und unsauberer Code machen jede Korrektur zäher.
- Medieninhalte: Videos brauchen Untertitel, Bilder brauchen sinnvolle Beschreibungen.
- Viele Sprachversionen: Jede Version muss mitgeprüft und mitgepflegt werden.
- PDFs: Dokumente zum Download sind ein eigenes Thema und werden häufig übersehen.
Dagegen halten Dich diese Dinge günstig: ein moderner, schlanker Aufbau, einheitliche Templates, wenige Sonderfunktionen und ein Team, das Inhalte nach klaren Regeln pflegt.
Nachrüsten oder neu bauen?
Die wichtigste Entscheidung für Dein Budget ist diese: Lohnt sich das Nachbessern, oder ist ein Neuaufbau wirtschaftlicher?
- Nachrüsten lohnt, wenn die Basis solide ist und das Audit nur punktuelle Mängel zeigt.
- Neu bauen lohnt, wenn die Mängel strukturell sind, die Seite ohnehin veraltet ist oder ein Relaunch schon länger ansteht. Dann baust Du Barrierefreiheit von Anfang an ein und zahlst sie nicht doppelt.
Wer ohnehin plant, seine Website neu erstellen zu lassen, sollte WCAG 2.1 AA ins Briefing schreiben. Es ist deutlich günstiger, Anforderungen vorab zu definieren, als später einzubauen. Die allgemeine Logik dahinter beschreibt unser Beitrag zu den Kosten und dem Ablauf eines Relaunchs.
Drei typische Szenarien im Vergleich
Damit Du Dich einordnen kannst, hier drei vereinfachte Fälle. Es sind keine Preise, sondern Größenordnungen im Aufwand:
- Kleiner Shop auf modernem Unterbau: Meist reichen gezielte Korrekturen an Kontrasten, Formularen und Checkout. Der Aufwand ist überschaubar, wenn das Template sauber ist.
- Gewachsener Shop mit vielen Plugins: Hier verteilen sich die Probleme über viele Stellen, und manche Erweiterungen lassen sich nicht anpassen. Oft muss einzelne Funktionalität ersetzt werden, was den Aufwand deutlich erhöht.
- Buchungsstrecke auf einer Info-Website: Betroffen ist nur der Buchungsprozess. Es genügt häufig, genau diesen Teil zu prüfen und zu korrigieren, statt die gesamte Seite anzufassen.
Der Unterschied zwischen diesen Fällen liegt selten in der Seitenzahl, sondern in Technik, Funktionen und der Frage, wie viel vom Code Du überhaupt beeinflussen kannst. Deshalb ist das Audit der sinnvollste erste Euro, den Du ausgibst: Es verwandelt eine Schätzung in eine belastbare Grundlage.
Warum Overlay-Tools keine Abkürzung sind
Verlockend wirken Plugins, die per Knopfdruck ein Barrierefreiheits-Menü über die Seite legen. Sie können einzelne Bedienhilfen ergänzen, beheben aber die Barrieren im Code darunter nicht. Wer sich darauf verlässt, spart kurzfristig und riskiert, dass die eigentlichen Mängel bestehen bleiben. Rechne also nicht mit einer Kostenersparnis, sondern mit einem Scheinersatz.
Was ein Nichtstun kosten kann
Auch das gehört in die Rechnung. Die Marktüberwachungsbehörden der Länder können Anpassungen verlangen, und das Gesetz sieht Bußgelder vor, zudem drohen Abmahnungen. Wie das im Ernstfall abläuft, erklärt unser Artikel zur BFSG-Abmahnung. Realistisch ist: Eine geplante, schrittweise Umsetzung ist fast immer günstiger als hektisches Nachbessern unter Druck.
So planst Du das Budget in vier Schritten
- Betroffenheit prüfen: Welche Teile Deiner Seite schließen Verträge mit Verbrauchern?
- Audit beauftragen: Erst messen, dann kalkulieren. Ein Angebot ohne Bestandsaufnahme ist geraten.
- Prioritäten setzen: Checkout, Formulare und Navigation zuerst, Feinschliff danach.
- Pflege einplanen: Reserviere einen kleinen, laufenden Posten statt eines Einmalbudgets.
Häufige Fragen
Gibt es einen festen Preis für die BFSG-Umsetzung?
Nein, einen seriösen Festpreis gibt es nicht ohne Blick auf Deine Website. Der Aufwand hängt von Umfang, Technik und Ausgangszustand ab. Nach einem Audit lässt sich der Aufwand aber meist gut eingrenzen.
Muss ich die Umsetzung auf einmal bezahlen?
Nicht zwingend. Sinnvoll ist ein gestuftes Vorgehen: erst das Audit, dann die kritischen Barrieren, danach der Rest. So verteilst Du die Kosten und sicherst zuerst die rechtlich wichtigsten Bereiche ab.
Reicht ein günstiges Plugin aus?
In der Regel nein. Overlay-Plugins ändern den zugrunde liegenden Code nicht. Die Anforderungen der WCAG erfüllst Du nur, wenn die Seite selbst sauber umgesetzt ist.
Fallen nach der Umsetzung weitere Kosten an?
Ja, in kleinem Umfang. Neue Inhalte, Updates und Erweiterungen müssen barrierefrei bleiben. Ein klarer Redaktionsleitfaden und regelmäßige Wartung halten diesen Posten niedrig.
Fazit
Die Kosten für die BFSG-Umsetzung sind planbar, wenn Du sie in Audit, Korrekturen, Dokumentation und Pflege zerlegst und ehrlich prüfst, ob Nachrüsten oder Neuaufbau sinnvoller ist. Wenn Du wissen möchtest, wo Deine Seite steht und mit welchem Aufwand Du rechnen musst, vereinbare ein unverbindliches Erstgespräch. Wir schauen uns Deine Seite an und sagen Dir offen, was nötig ist und was nicht.